Projekt

Von Kabuki zu Geishas und Teezeremonie, von Shintō-Schreinen zu buddhistischen Traditionen, von Zen-Gärten zu Badehäusern und von Maid Cafés über Host Clubs zu Karaoke: Die japanische Kultur ist faszinierend und einzigartig und kann auf westliche Besucher manchmal widersprüchlich wirken. Auf unserer Reise wollen wir diese Einzigartigkeit erkunden, scheinbar widersprüchliche Gegensätze untersuchen und japanische Kultur zukünftigen Besuchern näherbringen, in dem wir Vertreter und Freunde verschiedener kultureller Traditionen zu Wort kommen lassen. Dabei agieren wir als "a camera with its shutter open, quite passive, recording, not thinking. [...] Some day, all this will have to be developed, carefully printed, fixed." Christopher Isherwood, Goodbye to Berlin

Als Theatermenschen sind wir besonders interessiert daran, mehr über japanische Theatertraditionen wie Kabuki und Bunraku zu erfahren, was uns zu unserem Hauptprojekt führt.

Fließende Welten - Die Faszination des (Un)vergänglichen

Die Faszination der Vergänglichkeit und in ihrer Flüchtigkeit unerreichbaren Perfektion hat eine lange Tradition in der japanischen Kultur. Die Bedeutung des entfernt mit dem deutschen Konzept des Weltschmerzes verwandten mono no aware wird nirgendwo deutlicher als in der Symbolkraft der Kirschblüte, deren Schönheit gerade deshalb so berührt, weil sie so flüchtig und vergänglich ist. Die "Bilder der fließenden Welt" des ukiyo-e fangen diese Flüchtigkeit des Schönen in Momentaufnahmen ein – nicht, um sich in einem jenseitsorientierten Fatalismus zu verlieren, sondern um dazu aufzurufen, im Hier und Jetzt zu leben.

In der traditionellen und modernen Kunst und Kultur Japans finden sich jedoch noch weitere Ausprägungen dieser fließenden Welten – zwischen der Bejahung des Vergänglichen und der Sehnsucht, menschliche Grenzen zu überwinden und vielleicht doch, irgendwo, zeitlose Schönheit zu finden.

Ziel dieses Projekts und unserer Reise ist es, uns diesen Grenzen zu nähern, ihr Verschwimmen zu untersuchen und filmisch zu dokumentieren. Dabei interessieren uns insbesondere die Überhöhung der Realität durch Stilisierung und das Spiel mit Geschlechterrollen in der japanischen Theater- und Unterhaltungskultur.

Wir hoffen, dabei die Gelegenheit zu bekommen, mit Vertretern, Kennern, Liebhabern und Kritikern verschiedener Formen der traditionellen und modernen japanischen Theaterlandschaft zu sprechen, um die Faszination der Vergänglichkeit und Unerreichbarkeit für uns und andere greifbarer zu machen.

Teil 1: Perfektion durch Imitation

In vielen Ländern und Kulturen war es im Laufe der Geschichte aufgrund von gesellschaftlichen Konventionen und Tabus üblich, Frauenrollen am Theater von Männern verkörpern zu lassen. Während die Zahl der männlichen Schauspieler in weiblichen Rollen in Europa seit dem 17. Jahrhundert stark zurückging und "Crossplay" auf der Bühne heute in erster Linie der humoristischen Unterhaltung dient, besitzt Japan mit dem Kabuki auch heute noch eine große und international gewürdigte Tradition hochgradig stilisierter Theaterkultur, in der ausschließlich männliche Schauspieler alle Rollen übernehmen – männliche wie weibliche. Demgegenüber steht die Takarazuka Revue als berühmtes modernes Musiktheater, in dessen Inszenierungen sämtliche Rollen von Schauspielerinnen verkörpert werden.

Worin liegt die fortwährende Faszination des bewussten Verwischens und Wechsels der Geschlechterrollen begründet und warum blieb das Spiel mit selbigen nicht auch in Europas Theatertradition erhalten? Bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen möchten wir ebenfalls untersuchen, inwiefern stark an Geschlechterrollen gebundene künstlerische Professionen wie die der Geisha möglicherweise im Widerspruch zu diesem Bild der verschwommenen Grenzen stehen.

Teil 2: Die Faszination des Unerreichbaren und die Illusion von Liebe

Gerade um den Beruf der Geisha ranken sich zahlreiche Vorurteile und Missverständnisse in der westlichen Welt. Auch diese werden wir am Rande beleuchten. In erster Linie interessiert uns jedoch die "Welt der Blumen und Weiden" oder karyūkai, eine von der Zeit losgelöste, separate Realität, in der die Geishas existieren. Hier leben und wirken sie als Bewahrerinnen der traditionellen japanischen Künste, welche sie einem (zumeist männlichen) Publikum darbieten. Wir hoffen, trotz der Exklusivität dieser Welt einen kleinen Einblick in diese bekommen zu können.

Missverständnisse gibt es auch um die Branche, die statt traditioneller Kunst Träume verkauft: Träume vom Umsorgtwerden, Prinzessinnendasein und von der wahren Liebe. Host Clubs und Butler Cafes erfüllen weiblichen Gästen diese Träume – auf Zeit und für einen stattlichen Preis. Um Sex geht es dabei nicht. Was also macht das ritualisierte Kokettieren so aufregend und interessant?

Teil 3: Hyperrealität durch Stilisierung

Ritualisierung spielt auch im letzten Teil unseres Projekts eine große Rolle. Im Bunraku, dem traditionellen japanischen Puppentheater, werden die bis zu 1,50 m hohen Puppen von drei Puppenspielern gleichzeitig bewegt. Diese sind, ganz in Schwarz gekleidet, während der gesamten Vorstellung auf der Bühne zu sehen, werden vom Publikum jedoch bewusst ausgeblendet. Auf der Seite des Awaji Ningyō Jōruri Bunrakotheaters ist zu lesen: "If operated by skilled puppeteers, a puppet can create a beautiful and strong expression which looks sometimes more 'real' than a human being." ("Eine von erfahrenen Puppenspielern bewegte Puppe kann eine Ausdruckskraft erreichen, die wahrhaftiger als die eines Menschen ist.") Größere Wahrheit durch Abbildung – wie entsteht diese hyperreale Expressivität? Das wollen wir mit eigenen Augen erleben.

Über uns

Daniela

Daniela

Daniela ist eine deutsche Schauspielerin, Sängerin und Sprecherin. Ihre Erfahrungen in der deutschen Theaterlandschaft werden ihr dabei helfen, sich und uns einige Aspekte der japanischen Theaterkultur zu erschließen. Zurzeit studiert Daniela Kulturwissenschaften.
Anne

Anne

Anne ist eine Reisejournalistin und Übersetzerin für Englisch-Deutsch. Sie ist die Frau hinter der Kamera und wird unsere Erfahrungen durch den Sucher ihrer Canon 5D Mark II verfolgen. Vor ihrer Übersetzertätigkeit studierte Anne Theater- und Medienwissenschaften.

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